Die Zukunft der Bauwirtschaft: Prognosen für 2026 und 2027
- fenorbau
- 14. Mai
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Mai
Wie entwickelt sich die Baubranche in den kommenden Jahren? Dieser spannenden Frage widmen wir uns in diesem Artikel. Dabei betrachten wir sowohl die bisherige Entwicklung der Bauwirtschaft als auch aktuelle Prognosen zur Baukonjunktur in Deutschland für die Jahre 2026 und 2027.
Wohnungsnot auf Rekordniveau: Warum 2026 keine Entspannung bringt
Die neue Studie „Soziale Wohn-Monitor 2026“ des Pestel Instituts zeigt deutlich, wie angespannt die Situation auf dem deutschen Wohnungsmarkt inzwischen ist. Bereits Ende 2024 fehlten demnach rund 1,4 Millionen Wohnungen – ein Rekordwert, für den auch im Jahr 2026 keine spürbare Verbesserung erwartet wird.
Laut der Studie wird der Wohnungsneubau in den kommenden Jahren weiterhin deutlich hinter dem tatsächlichen Bedarf zurückbleiben. Dadurch dürfte sich die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt auch künftig kaum entspannen.
Pro Jahr werden voraussichtlich lediglich rund 200.000 neue Wohnungen gebaut, obwohl der tatsächliche Bedarf mit etwa doppelt so vielen Wohnungen deutlich höher liegt.
Vom Wohnungsmangel betroffen sind vor allem Menschen mit geringem Einkommen, ältere Personen, junge Menschen sowie Menschen mit Behinderung. Gleichzeitig verschärft sich die Situation dadurch, dass deutschlandweit nur noch rund eine Million Sozialwohnungen zur Verfügung stehen – obwohl etwa die Hälfte aller Mieterhaushalte grundsätzlich Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein hätte.
Auch beim Neubau von Sozialwohnungen ist kaum Fortschritt zu erkennen, wodurch der Druck auf den Wohnungsmarkt weiter zunimmt. Laut der Studie hat der Wohnungsmangel deshalb nicht nur soziale Folgen, sondern wirkt sich zunehmend auch negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. So wird unter anderem die Mobilität von Arbeitskräften eingeschränkt, was die wirtschaftliche Erholung und das Wachstum zusätzlich bremst.
Sozialer Wohnungsbau: Ein entscheidender Faktor zur Entlastung des Wohnungsmarkts
Ein weiterer Ansatz zur Bekämpfung des Wohnraummangels ist der sogenannte „Bau-Turbo“, der den Wohnungsbau deutlich beschleunigen soll. Grundlage dafür ist die neue Experimentierklausel im Baugesetzbuch (§ 246e BauGB). Die Sonderregelung trat am 30. Oktober 2025 in Kraft und ist zunächst bis Ende 2030 befristet.
Der neue § 246e BauGB ermöglicht es Städten und Gemeinden, bei bestimmten Wohnbauprojekten auf die sonst notwendige Aufstellung oder Änderung eines Bebauungsplans zu verzichten. Da dieser Prozess häufig mehrere Jahre in Anspruch nimmt, sollen insbesondere Nachverdichtungen, Aufstockungen und Umnutzungen schneller umgesetzt werden können.
Entscheidend bleibt jedoch die Zustimmung der jeweiligen Kommune. Nutzt eine Gemeinde den sogenannten Bau-Turbo, können zusätzliche Wohnungen bereits nach einer nur dreimonatigen Prüfung genehmigt werden.
Erste positive Signale in der Baubranche: Bauvolumen steigt wieder an
Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) deutet sich für die deutsche Bauwirtschaft im Jahr 2026 nach mehreren Krisenjahren eine Trendwende an.
Dem DIW-Wochenbericht zufolge dürfte das reale Bauvolumen im Jahr 2026 erstmals seit mehreren Jahren wieder wachsen. Das Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung rechnet insgesamt mit einem Anstieg von rund 1,7 Prozent im Vergleich zum Jahr 2025.
Der erwartete Anstieg der Bauleistung ist vor allem auf starke öffentliche Investitionen zurückzuführen. Dagegen entwickeln sich der Wohnungsneubau und der gewerbliche Bau nur verhalten positiv. Für 2027 rechnet das DIW dennoch mit einer weiteren Dynamisierung des Bauvolumens von rund 3,4 Prozent.
Trotz dieser positiven Aussichten bleibt die Bauwirtschaft insgesamt unter dem Niveau früherer Boomphasen. Ursache dafür sind die massiven Rückgänge der vergangenen Jahre, die eine deutliche Lücke zwischen tatsächlichem Bedarf und realisierter Bautätigkeit hinterlassen haben.
Sondervermögen als Stabilisierungsfaktor
Mit dem umfangreichen Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität verfolgt der Bund das Ziel, gezielt Zukunftsinvestitionen zu stärken. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums umfasst das Paket bis zu 500 Milliarden Euro, die über mehrere Jahre zusätzlich zum regulären Haushalt eingesetzt werden sollen. Gefördert werden insbesondere Verkehrswege, Energieinfrastruktur, öffentliche Gebäude sowie klimabezogene Projekte.
Für das Jahr 2026 könnte dieses Sondervermögen wesentlich zur Stabilisierung der Baukonjunktur beitragen. Ob daraus jedoch ein echter Aufschwung entsteht, hängt entscheidend davon ab, wie schnell die Mittel in konkrete Bauprojekte umgesetzt werden.

Deutschlands Infrastruktur ist das Großprojekt der nächsten Jahre und hat im Rahmen des Sondervermögens eine Finanzspritze von 500 Milliarden Euro erhalten. Dieser Investitionsschub erfordert eine konsequente Ausrichtung in Sachen Digitalisierung. Für Betriebe ist der gezielte Einsatz von Software für den Infrastrukturbau erfolgsentscheidend.
Positive Erwartungen für 2026 in der Baubranche
Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) veröffentlichte im November 2025 seine Prognosen für das Baujahr 2026.
Erwartet wird ein realer Umsatzanstieg von 2,5 Prozent im Bauhauptgewerbe, womit erstmals nach mehreren Jahren wieder Wachstum prognostiziert wird.
Der Branchenumsatz soll auf etwa 178 Milliarden Euro steigen. Besonders der Tiefbau dürfte von zusätzlichen Investitionen aus dem Infrastruktursondervermögen profitieren, während sich der Hochbau verhaltener entwickelt.
Wohnungsbau: erste Erholungstendenzen
Im Wohnungsbau zeigen sich laut ZDB erste Stabilisierungstendenzen, auch wenn das Niveau weiterhin niedrig bleibt. Für 2025 wird ein Umsatz von rund 54 Milliarden Euro erwartet, für 2026 ein Anstieg auf etwa 56,3 Milliarden Euro.
Real entspricht dies einem Rückgang von -4,0 Prozent im Jahr 2025 und einem leichten Plus von +1,6 Prozent im Jahr 2026.
Der Wirtschaftsbau zeigt sich insgesamt stabil mit einem erwarteten Wachstum von jeweils rund +4 Prozent in den Jahren 2025 und 2026. Der öffentliche Bau wächst moderat, wirkt jedoch stabilisierend auf die Gesamtentwicklung.

Nach einigen Krisenjahren fällt die Prognose für die Bauwirtschaft 2026 erstmals wieder positiv aus. In allen Bereichen wird mit einem Umsatzanstieg gerechnet.
Forderungen der Branche
ZDB-Präsident Wolfgang Schubert-Raab fordert umfassende politische Reformen, um die Baukonjunktur nicht auszubremsen. Im Mittelpunkt stehen niedrigere Steuern, geringere Abgaben, sinkende Energiepreise sowie ein konsequenter Abbau von Bürokratie.
Zudem betont er, dass das Sondervermögen nur dann Wirkung entfalten kann, wenn die Mittel zusätzlich investiert und nicht innerhalb bestehender Haushalte verschoben werden.
Herausforderungen: Kosten, Fachkräfte und Bürokratie
Eine PwC-Studie zeigt, dass die Branche weiterhin stark unter Druck steht: 85 Prozent der Unternehmen berichten von steigenden Kosten, 81 Prozent vom Fachkräftemangel. Viele Projekte scheitern zudem an finanziellen Unsicherheiten.
Der Fachkräftemangel bremst dabei nicht nur die laufende Produktion, sondern auch die digitale Transformation der Branche. Obwohl das Potenzial neuer Technologien erkannt wird, fehlen häufig die entsprechenden Fachkräfte. Entsprechend fordern 93 Prozent der Unternehmen einen schnelleren Bürokratieabbau und einen beschleunigten Ausbau der digitalen Infrastruktur.
Bauentwicklung in Österreich und der Schweiz
Auch in Österreich und der Schweiz zeigt sich ein uneinheitliches Bild.
In Österreich stabilisiert sich laut WHO die Baukonjunktur zwar, eine echte Trendwende ist jedoch noch nicht erkennbar. Die Auftragsbestände haben sich zuletzt verbessert, bleiben aber unter früheren Spitzenwerten. Die Gesamtwirtschaft wächst moderat, während der Bausektor weiterhin leicht rückläufig ist.
In der Schweiz zeigt sich ein insgesamt robusteres Bild.
Zwar gingen die Investitionen im Hochbau leicht zurück, das Niveau bleibt jedoch hoch. Besonders der Wohnbau profitiert von niedrigen Zinsen, während der Wirtschaftsbau schwächer wächst. Der Tiefbau zeigt erste Erholungstendenzen.

Rückblick auf 2025 in Deutschland
Das Jahr 2025 war für die deutsche Bauwirtschaft von gemischten Entwicklungen geprägt. Zwar stiegen Auftragseingänge, Umsatz und Baugenehmigungen teilweise an, insgesamt blieb die Branche jedoch unter Druck.
Leicht steigende Auftragseingänge und Umsätze
Sowohl Auftragseingänge als auch Umsätze legten real leicht zu, befinden sich jedoch weiterhin auf einem niedrigen Niveau.
Auftragseingang im Bauhauptgewerbe, Jahr 2025:
November 2025: +4,1 Prozent zum vergl. Vorjahresmonat
Jan.–Nov. 2025: +7,2 Prozent zum vergl. Vorjahreszeitraum
Umsatz im Bauhauptgewerbe, Jahr 2025:
November 2025: +4,3 Prozent zum vergl. Vorjahresmonat
Jan.–Nov. 2025: +2,1 Prozent zum vergl. Vorjahreszeitraum
Hohe Kosten und Insolvenzen
Die Baupreise blieben hoch, insbesondere im Bereich Ausbau und energiebezogener Gewerke. Gleichzeitig stieg die Zahl der Insolvenzen im Baugewerbe weiter an, bedingt durch hohe Finanzierungskosten, Materialpreise und schwache Nachfrage.
Baugenehmigungen vs. Stimmung
Obwohl die Zahl der Baugenehmigungen zunahm, blieb die Stimmung im Wohnungsbau negativ. Viele Unternehmen berichten weiterhin von Auftragsmangel und zunehmenden Stornierungen.
+13,9 Prozent bei Wohngebäuden insgesamt
+17,0 Prozent Einfamilienhäusern
-1,6 Prozent bei Zweifamilienhäusern
+13,5 Prozent bei Mehrfamilienhäusern
Fachkräftemangel als Bremsfaktor
Fast die Hälfte der Bauunternehmen hat Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Im Tiefbau ist die Situation besonders angespannt. Gleichzeitig konnte der Beschäftigungsabbau von 2024 im Jahr 2025 teilweise wieder ausgeglichen werden.

Fazit
Die Bauwirtschaft stand in den letzten Jahren unter erheblichem Druck durch hohe Zinsen, steigende Baukosten und eine schwache Nachfrage. Viele Projekte wurden verschoben oder gestrichen.
Ab 2026 zeichnet sich jedoch laut HDB eine vorsichtige Erholung ab. Wachstum wird vor allem durch öffentliche Investitionen, Infrastrukturprogramme und Nachholeffekte erwartet. Dennoch bleibt die Entwicklung abhängig von der tatsächlichen Umsetzungsgeschwindigkeit der Projekte.
Wohnungsbau: +2,0 %
Wirtschaftsbau: +4,0 %
Öffentlicher Bau: +1,5 %
Beschäftigte: +1,0 % auf 933.000
Zugleich warnt die Branche: Nur wenn Planung, Vergabe und Umsetzung beschleunigt werden, kann das vorhandene Investitionspotenzial vollständig wirksam werden.



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